Sonntag, 17 August 2014 11:20

Die Ruhe nach dem Sturm

Die Ruhe nach dem Sturm © ninajansen.de
Wichtige Bausteine der Entwicklung

Umweltreize aktiv kennenzulernen und somit, begleitet durch den Menschen, Erfahrungen zu sammeln, ist ein wichtiger Baustein zur Entwicklung einer entspannten, souveränen und weltoffenen Persönlichkeit. Nicht nur in der Sozialisierungs- bzw. sensiblen Phase (ca. 8 bis 16 Lebenswoche) sind diese Erfahrungen für eine gesunde seelische, körperliche und geistige Entwicklung notwendig, sondern erhalten lebenslang die Flexibilität und Ausgeglichenheit des Hundes. 

Anders als in der Prägephase werden hierbei nicht nur Reize passiv wahr genommen (Desensibilisierung, Abschalttraining) sondern es wird sich aktiv mit Gerüchen, Gegenständen und der belebten Umwelt auseinandergesetzt. Dinge zu "begreifen" (körperliche Erfahrung, greifen = fühlen) ist tief gehender etwas anderes als sie zu "verstehen" (geistige Erfahrung, Verstand). Beides kombiniert beugt Ängsten, Aversionen und Unflexibilität vor. Der Organismus kann jedoch nur aus dem "begreifen" und "verstehen" eine tatsächlich wertvolle Erfahrung machen, wenn im Anschluss an diese Aktivität eine Ruhephasen anschließt.

Auf Aktivität folgt eine Ruhephase

Für Welpen und ganz junge Hunde ist der Ruhephase eine Spielphase vorgeschaltet (die wilden 5 Minuten kennt jeder Welpenbesitzer), die man nach einem Spiel mit dem Futterbeutel und abschließendem fressen für eine Exploration nutzen kann. Bei erwachsenen Hunden schließt sich an Erfahrungen direkt eine Ruhephase an. Je nach Veranlagung und Charakter kann diese Ruhephase unterschiedlich lang vonnöten sein.

Die Ruhe nach dem Sturm ermöglicht dem Gehirn Eindrücke zu sortieren und zu verarbeiten. Findet diese Ruhephase nicht statt oder ist zu kurz, können Eindrücke nur unzulänglich verarbeitet werden. Die wilden Traumphasen unserer Hunde deuten auf Verarbeitungsvorgänge hin, ebenso wie wir dies auch bei uns Menschen kennen. Und ohne Schlaf ist man nicht ausgeruht, nicht fahrtüchtig, nicht geschäftsfähig und kein aufmerksames Gegenüber für die Mitwelt.

In dem Sinne wünsche ich ein entspanntes Verarbeiten!
Karin Jansen

Karin Jansen, Gründerin von STADT MENSCH HUND, 2006, studierte Psychologie und ist Fachbuchautorin im Bereich Hundeerziehung. Sie ist als Dozentin unterschiedlicher Ausbildungseinrichtungen und Seminarträgern tätig. Seit 2016 leitet sie das Institut für Kynogogik®, in dem die Studiengänge Berater und Coach für Kynogogik® angeboten werden. Kynogogik ist die Wissenschaft, die sich ganzheitlich mit dem lebenslangen Lernen von Hunden unter Berücksichtigung aller inneren und äußeren Einflüsse beschäftigt. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Hundes und das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Hund liegen ihr am Herzen.

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