Donnerstag, 17 November 2016 11:44

Grenzen schaffen Freiheit.

Grenzen schaffen Freiheit. © ninajansen.de
Die meisten Hundehalter wünschen sich für ihren Hund, dass er so viel Freiraum und Freizügigkeit genießen kann wie irgend möglich.

Das ist das, was wir Menschen in unserem Leben selten erreichen, da wir uns in gesellschaftlichen Zwängen bewegen und so projizieren wir unsere Wünsche auf unsere Hunde. Doch Freiheit will gelernt sein. Nicht selten sind Hunde mit Freiraum überfordert, schaffen es nicht sich zu entspannen, wenn ihre Menschen sich frei bewegen. Nicht selten begleiten unsere Hunde uns von Raum zu Raum, vom Stuhl zum Sessel und zurück und verpassen so die notwendige Entspannung und Erholung um ihrem Leben an unserer Seite mit allen Anforderungen gewachsen zu sein.

Freiraum und die Entspannung darin kann ich als Mensch für meinen Hund entwickeln:

Ruhe findet ein Hund zu Beginn eher in einem kleinen Raum, in dem ich mich als Mensch wenig bewege. Eventuell braucht mein Hund sogar manchmal eine kuschelige Höhle (Box), die Geborgenheit vermittelt. Auch wir schlafen lieber in einem anheimelnden Zimmer als mittig in einem Saal! Wenn mein Hund sich dann in dem kleinen Raum auf seinem Platz entspannen kann, beginne ich mich ohne ihn hinaus zu bewegen. Sollte dies nötig sein, so oft hintereinander bis mein Hund nicht mehr aufsteht, um mich zu begleiten. Nun erst biete ich meinem Hund einen größeren Raum mit mehr Reizen an, um auch dort zur Ruhe kommen zu können.

Entscheidend für Entspannung im Freiraum ist der individuelle Aufbau, der sich an den Bedürfnissen des Hundes orientiert.

Einige Hunde können schon sehr schnell entspannt in großen Räumen abschalten und ihre Menschen unbegleitet an den Kühlschrank in der Küche gehen lassen. Andere ertragen es kaum, dass ihr Mensch sich aus ihrer Individualdistanz hinaus bewegt und können nur mit Körperkontakt einschlafen. Eltern kennen diese Unterschiede auch von ihren Kindern. Für uns bedeutet dies, dass wir uns bemühen sollten zu erkennen was unser Hund braucht, die Entwicklungsschritte anzupassen und uns in Geduld und Empathie zu üben. Wenn wir es schaffen unserem Hund die notwendige innere Gelassenheit, Frustrationstoleranz, Vertrauen und Respekt vor unserer Freizügigkeit zu vermitteln, kann er in den notwendigen Grenzen frei sein.

Viel Freude beim Grenzen erweitern!
Karin Jansen

Karin Jansen, Gründerin von STADT MENSCH HUND, 2006, studierte Psychologie und ist Fachbuchautorin im Bereich Hundeerziehung. Sie ist als Dozentin unterschiedlicher Ausbildungseinrichtungen und Seminarträgern tätig. Seit 2016 leitet sie das Institut für Kynogogik®, in dem die Studiengänge Berater und Coach für Kynogogik® angeboten werden. Kynogogik ist die Wissenschaft, die sich ganzheitlich mit dem lebenslangen Lernen von Hunden unter Berücksichtigung aller inneren und äußeren Einflüsse beschäftigt. Eine ganzheitliche Betrachtungsweise des Hundes und das harmonische Zusammenspiel von Mensch und Hund liegen ihr am Herzen.